Falscher Einwurf

      Spielfreude

      In welcher Zusammensetzung auch immer - Augsburg hat eine Mannschaft!
      Leidenschaft und Kampf - der Auftritt verbunden mit Spielfreude über die gesamte Dauer. Das Resultat: 31 Punkte, 32 Tore, Platz 7.
      Drei schöne Tore, darunter das erste Tor von Marco Richter in seinem zweiten Bundesligaauftritt. Mehr Fußball ging an diesem
      Sonntagnachmittag fast nicht.

      Und dies in der ersten Liga wo aktuell sieben Vereine von Platz 2 bis 8 auf vier Punkte getrennt dabei sind - Augsburg mit dabei. Und
      wo auch immer die Abstiegszone beginnen mag - am 21. Spieltag bereits 11 Punkte Vorsprung zu Platz 16 - fast alles scheint zu laufen.

      Am letzten Sonntag die Eröffnung des von Besuchern am stärksten frequentierten Teils des neuen Gebäude beim Stadion.
      Eine Zeitreise, die zum vielfältigen Nachdenken anregt. Der Weg in die Bundesliga, im Europapokal, die Nachwuchsabteilung, dazu
      Augsburger Legenden und verschiedene Schlagzeilen - so viele großartige Momente der Vereinsgeschichte die sich von den original Sitzschalen aus der Rosenau aus betrachten lassen.
      Der FCA hat nicht nur eine, sondern viele Geschichten - und schreibt immer weiter daran.

      Große Momente und Spiele lassen auch Erinnerungen an verschiedene Zeiten aufkommen, und sind Teile dieser geworden. Die
      Einordnung bzw. Bedeutung mancher Spiele lässt sich mit dadurch fassen, wie auch durch verschiedene persönliche Bezüge.
      Eine Reise in den Augsburger Farben, die immer neue Geschichten erzählt, und Teil dieser von Stadt und Region.

      Gibt es eine weniger bekannte Regel der zufolge Spiele gegen Leipzig immer abends stattfinden müssen? Sind da wohlmöglich die
      Parkbänke unbequemer? Oder lassen sich die Spiele da medial besser inszenieren?
      Für einen nicht geringen Teil der Anhängerschaft spielt dies ohnehin keine Rolle - und bleibt doch zufällig ungewöhnlich.

      Und genaugenommen wieder die immer gleichen Fragen - auf die die immer gleichen Antworten folgen. Wie würde denn wohl aktuell ein Vereinsmuseum in Leipzig aussehen? Vierfarbig? Und durch eine breite Mitgliederunterstützung könnte dieses systembedingt auch nicht getragen werden.

      Auch wenn die Hoffnung besteht dass 50 + 1 der Punktzahl des FCA nach der Saison entspricht geht es bei der Nennung dieser
      Begrifflichkeit um ein grundsätzliches Dilemma: Wem gehört der Fußball?

      Immer weitere Ankündigungen, oder Versuche der Anpassung machen dies nicht einfacher - noch dazu vor dem Damoklesschwert einer gerichtlichen Prüfung.

      Die verschiedenen Interessenlagen scheinen tatsächlich zu klar. So schön und auch grundsätzlich selbstverständlich es klingen mag,
      Logo, Vereinsfarben und Wappen zu schützen, einen Standort festzuschreiben, eine mit durch den Erhalt von bezahlbaren Stehplätzen definierte Fankultur zu erhalten oder die Mitwirkungsmöglichkeiten der Vereine zu stärken - die grundsätzliche Thematik wird sich so nicht ändern.

      Auch wenn damit manche Entwicklungen gebremst werden oder bereits bestehende Konstrukte benannt - das Grundproblem bleibt auch bei Streichung sämtlicher Ausnahmen. Zu verlockend scheinen neben den Einnahmen die Möglichkeiten unterschiedlich Präsenz zu zeigen.

      Es wird kein komplettes wie auch immer definiertes Zurück geben und darf aber auch nicht so weiter gehen. Gleichzeitig ist der Status quo unbefriedigend, und im Moment zeigt sich noch kein Königsweg.

      Grundsätzlich wäre Leipzig bereit gewesen 16 Mio. € für einen 16jährigen auszugeben; gescheitert sei der Transfer an weiteren
      Forderungen des Beraters.
      Auch wenn das nicht die höchste Summe gewesen wäre die für ein umworbenes Talent schon bezahlt wurde, zumindest der Hinweis wie sich der Fußball und Transferausgaben längst entwickelt haben - Werte in diesem Zusammenhang sind ausschließlich monetär und nicht mit Geschäftsgrundsätzen, die es vermutlich auch noch gibt, zu verwechseln.

      Und auch hier wieder der Gedanke ob man einfach Freude am Spiel auf dem Platz haben kann, ohne sich mit alldem befassen zu müssen?

      Freitagabend der Auftritt in Leipzig, bei dem der FCA eigentlich nur gewinnen kann. Noch besser die jeweiligen Punkteabstände, die dazu verleiten sollten, dass der FCA das als Mannschaft macht was am besten klappt - eben spielen - ohne großen Druck und mit dem zuletzt gezeigten Einsatz. Gutes Spiel!

      Nur der FCA!

      Neu

      Blickwinkel

      Es gibt Spiel, die eben nicht entscheidend sind. Vermutlich hielten sich am Freitagabend auch mehr Augsburger beim heimischen Stadion auf. Auch nach dem Spiel in Leipzig hat sich an der Situation nichts geändert – noch zwei bis drei Siege und dann zeigt sich wie viel Saison noch übrig bleibt.

      Am nächsten Sonntag nun wieder gegen den VfB Stuttgart. Vor zwei Wochen ein Trainerwechsel, der so nicht von allen erwartet wurde als Reaktion auf die sportlichen Resultate. Das Selbstverständnis des Wiederaufsteigers scheint grundsätzlich nach wie vor ein anderes zu sein.

      Seit 2011 der insgesamt zehnte Trainernamen auf der Stuttgarter Bank. Bei Betrachtung dieser und der über vierzig Trainer des VfB seit 1963 nur wenige die länger als zwei Spielzeiten auf der Bank saßen: Arie Haan, Bruno Labbadia, Felix Magath, Jürgen Sundermann sowie die Meistertrainer Helmut Benthaus, Christoph Daum und Armin Veh.

      Wie lange auch die durchschnittliche Verweildauer eines Stuttgarter Bundesligatrainers ist, es scheint einen Zusammenhang mit Spielen gegen den FCA in den letzten Jahren gegeben zu haben. Mit vier Punkten aus den letzten beiden Spielen hat Tayfun Korkut einen guten Einstand und die zuletzt bestehende Stimmung im Umfeld etwas beruhigt.

      Was auch immer ein Lieblingsgegner sein könnte - jedes Spiel beginnt von vorne. Und doch ist es bemerkenswert dass der FCA gegen einige große Namen der Bundesligageschichte mittlerweile beachtliche Statistiken vorzuweisen hat – und mitunter manchmal als „Angstgegner“ tituliert wird.

      Auch dies darf als Anerkennung der in Augsburg geleisteten Arbeit der letzten Jahre betrachtet werden, und zeigt wie sich manche Wahrnehmungen in der Liga ein wenig verschoben haben. Konkret auch der Vergleich hierzu in den jeweiligen Sichtweisen zwischen der ersten Bundesliga-Spielzeit des FCA, in der der VfB beide Vergleiche gewann, und der aktuellen.

      Am nächsten Spieltag die Chance in der ewigen Tabelle an den Offenbacher Kickers vorbeizugehen. 1985 endete die letzte der insgesamt sieben Bundesligaspielzeiten des OFC - im Jahr darauf dann auch noch der Abstieg aus der zweiten Liga.
      Die Bilanz gegen Offenbach sieht nicht sonderlich gut aus - in der Erinnerung einige Spiele mit meist unglücklichem Ausgang. Am Bieberer Berg gewann der FCA nur ein einziges Mal – das allerdings im Herbst 1997 mit 5: 0.

      Mittlerweile sind es drei Ligen Unterschied zu dem Verein, der vielerlei Geschichten schrieb und dessen damaliger Präsident den so genannten Bundesligaskandal ins Laufen brachte.

      Der Blick auf die Liga als gesamtes mag sehr unterschiedlich interpretiert werden. Nachdem in den europäischen Wettbewerben im neuen Jahr nur noch drei deutsche Vertreter im Rennen sind und dadurch die Liga im aktuellen UEFA-Ranking schwächer steht, wird seitens des Verbands vor einem Szenario mit Begrifflichkeiten wie „internationale Zweitklassigkeit“ und „Bedeutungslosigkeit“ gewarnt – und dies trotz weiter hohen Budgets.

      Dazu auch eine Debatte über die Reform der Liga: In den Spielen geschieht zu wenig, und am Schluss wird immer der gleiche Verein Meister, so eine vereinfachte Darstellung. Würde sich durch eine Meisterrunde oder Play-Off-Spiele daran grundsätzlich etwas ändern?
      Geht’s nicht auch um einen Sport, in dem nach einem Wettbewerb mit 34 Spielen eine Reihenfolge entsteht, die genau dem Leistungsvermögen entspricht. Und bietet allein dieser, einzelne Entwicklungen ausgenommen, nicht genügend Spannung?

      Soll wohlmöglich die ganze Runde nur ein Vorspiel für die dann entscheidenden K.O.-Spiele sein? Worin läge dann der Reiz der Doppelrunde?

      Die Zunahme der Vielfalt an Ideen, mittlerweile wohl auf allen Ebenen, trägt nicht zwingend zur Weiterentwicklung des Spiels bei – Fußball ist kein Produkt – und es wird immer einen tatsächlichen Unterschied zwischen der Vermarktung und dem Spiel geben.

      Und nur der Gedanke möglicherweise Montagsspiele irgendwann wieder abzusetzen lässt auch nicht ausschließen, dass noch ganz andere Einfälle Einzug erhalten – es gibt viel zu viele Beispiele in der Welt des Sports, die darauf warten adaptiert zu werden.

      Wohin auch immer dies führen wird, am nächsten Wochenende spielt der FCA in seinem 227. Bundesligaspiel gegen den VfB Stuttgart. Das Spiel läuft nach den immer gleichen Regeln, wird unterteilt in zwei Halbzeiten wieder 90 + x Minuten dauern, und … Gutes Spiel!

      Nur der FCA!